#79229 - 04/02/2005 20:05
Re: Genetik: Begriffsdefinition Chromosom, Gen, Autosomen, Gonosomen
[Re: Rosmary]
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Da bisher keine Einwände mehr kamen, geht es hiermit weiter. Bevor ich allerdings zu den verschiedenen Erbgängen übergehe, möchte ich erst noch einige Begriffe erklären. Mit einigen haben wir schon um uns geworfen, ohne genau zu wissen, was es eigentlich ist. So sprachen wir davon, daß die weiße Blüte das Gen (Merkmal) für weiß besitzt. Aber was genau ist ein Gen? Die Erbmasse des Menschen besteht aus 23 Chromosomenpaaren. Hierauf ist die gesamte genetische Information gespeichert. Insgesamt hat man also 46 Chromosomen, 23 davon bekommt man von der Mutter, 23 vom Vater. Chromosomen bestehen aus DNA (auf den Aufbau der DNA gehe ich nun nicht näher ein, wenn es jemanden genauer interessiert, können wir das außerhalb des Kurses irgendwo diskutieren (Antworten bekommt ihr dazu bestimmt) - zum Verständnis der Vererbung benötigt man dieses Wissen aber nicht). Der größte Teil der DNA (über 90 %) ist Nonsens-DNA, d.h. darauf sind keine Informationen gespeichert. Dies dient zum Schutz der Zelle, denn DNA-Schädigungen passieren sehr oft - trifft die Schädigung einen Nonsens-Ort, hat dies keine Auswirkung auf die Erbinformation. Andere Teile der DNA codieren jedoch bestimmte Merkmale - wie eben bei der Pflanze die Blütenfarbe. Diese Teile nennt man Gene. Auf dem Bild unten sieht man schematisch dargestellt ein Chromosom und ein Gen (wobei auf einem Chromosom mehrere Gene sitzen, ich habe der Einfachheit halber nur eines dargestellt). Der Mensch hat wie gesagt 23 Chromosomenpaare. 22 davon sind die so genannten Autosomen, das 23. ist das Gonosomenpaar. Gonosomen sind die Geschlechtschromosomen. Beim Menschen ist XX im 23. Paar eine Frau, XY ein Mann (bei Vögeln ist das umgekehrt, aber dazu später mehr). Man bekommt wie gesagt die Hälfte der Information vom Vater, die andere Hälfte von der Mutter. D.h., daß Mutter und Vater immer nur ein Chromosom ihres Paares an das Kind weitergeben. Die Keimzelle enthält also (vgl. Mendels 2. Regel) immer nur ein Chromosom von einer Sorte. Wie bilden sich Keimzellen? Ich habe bei der Erklärung für Schäfchen den Begriff Meiose in den Raum geworfen. Ich werde dies im nächsten Posting erklären, für die, die es interessiert. Grüße, Barbara
Bearbeitet von Rosmary (04/02/2005 20:42)
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#79230 - 04/02/2005 20:29
Re: Genetik: Meiose
[Re: Rosmary]
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Hallo zusammen, nachdem wir nun Meiose bereits angesprochen haben... was verbirgt sich hinter diesem Begriff. Ich will nachfolgend erstmal kurz die Mitose (also die normale Zellteilung) schematisch vereinfacht dargestellt zeigen um dann auf die Meiose einzugehen. [color:"blue"] Wichtig ist bei der Meiose vor allem der Begriff des Crossingover - dies wird euch bei der Farbschlagvererbung wieder begegnen, denn nur so kann man Farbschläge wie den Zimtlutino der Lugas oder unsere geperlte Lutinohenne (sogenannte Doppelmutationen) erklären. [/color] Also zunächst die Mitose, die normale Zellteilung, die bei jedem von uns täglich stattfindet. Hier entstehen genetisch identische Zellen: Wie man sieht, bilden sich zunächst Chromatiden aus den Chromosomen. Diese werden in der Zellmitte angeordnet, dann zu den Zellpolen hin getrennt und man erhält zwei genetisch identische Tochterzellen. Vor der nächsten Zellteilung findet dann als erstes wieder die Ausbildung der Chromatiden statt. Ich habe als Beispiel ein Chromosomenpaar gewält, das blaue Chromosom kommt vom Vater, das rote von der Mutter. Wie ihr seht, enthält die Tochterzelle nachher wieder das selbe Chromosomenpaar wie die Ausgangszelle, man hat also immer noch sogenannte "diploide" Zellen (sprich Chromosomenpaare). Keimzellen hingegen enthalten einzelne Chromosomen, keine Chromosomenpaare. Es wird nur ein Chromosom pro Elternteil an die Kinder weitergegeben (2. Mendelsche Regel). Wie also bilden sich Keimzellen? Die Lösung hierfür ist die sogenannte Meiose, die nachfolgend schematisch dargestellt ist. Wie man sieht, findet zuerst wieder eine Bildung der Chromatiden und dann eine Paarung der Chromosomenpaare (mit ausgebildeten Chromatiden) in der Zellmitte statt. Ich habe der Einfachheit halber wieder nur ein Chromosomenpaar abgebildet. In der ersten Zellteilung teilt man dann die Chromosomen (nicht wie bei der Mitose die Chromatiden. Man erhält also haploide Zellen (enthalten nur einzelne Chromosomen, keine Chromosomenpaare wie die diploiden Zellen). Was hier nicht ganz klar wird, da ich nur ein Chromosomenpaar gezeichnet habe (liegt auch an meinem etwas einfachen Zeichenprogramm) - die Zusammenstellung der Chromosomen in den Zellen nach der 1. Zellteilung bzgl. ihrem Ursprung ist willkürlich. D.h. in Zelle 1 kann Chromosom 1 von der Mutter sein, Chromsom 2 vom Vater, 3 und 4 von der Mutter,... - in der zweiten Zelle ist entsprechen 1 vom Vater, 2 von der Mutter, 3 und 4 vom Vater,... - so entsteht eine große genetische Vielfalt. Und so kann man sich erklären, warum Geschwister oft so unterschiedlich aussehen. Was trägt noch zur genetischen Vielfalt bei und was ist bzgl. der Farbschläge wichtig? Der sogenannte [color:"red"] CROSSOVER [/color]. Bei der Paarung der Chromosomen überlappen einzelne Teile der Chromatiden vom Vaterchromosom mit dem Mutterchromosom. Es kann zum Austausch von Chromatidenstücken (Genen) kommen. So wird die Erbinformation der Mutter mit der des Vaters vermischt (Beispiel: Austausch Blütenfarbe gelb gegen Blütenfarbe weiß). Das erhöht die genetische Vielfalt sehr - und darauf werden wir gegen später wieder zurückkommen. Was passiert nun nach dem Crossover und der ersten Zellteilung? Wir haben jetzt zwar zwei Tochterzellen mit einzelnen Chromosomen, bei denen die Chromatiden ausgebildet sind, gestartet sind wir aber mit Chromosomen, bei denen die Chromatiden nicht ausgebildet waren (dort startet ja auch die Mitose). Also findet im letzten Schritt noch eine Zellteilung statt. Durch den Crossover erhält man so vier verschiedene Keimzellen. Alles klar? Oder Frage? Falls Fragen, immer her damit. Ansonsten haben wir jetzt alle Grundkenntnisse, um uns anhand von einigen Beispielen mit verschiedenen Erbgängen auseinanderzusetzen (und dann fehlt nimmer viel und wir diskutieren die Farbschlaggenetik). Für die, denen dieser Teil zu kompliziert war - macht euch keine Sorgen - es reicht erstmal zu wissen, daß in den Keimzellen keine Chromosomenpaare, sondern einzelne Chromosomen sind. Damit kann man den größten Teil der Genetik verstehen. Macht euch um die Meiose keinen allzu großen Kopf. Grüße, Barbara
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#79233 - 04/02/2005 22:54
Re: Genetik: Meiose
[Re: Rosmary]
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Huhu Babs, ich bin bloss noch verwirrt. Ich glaub ich steig da nie durch. <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/heulen.gif" alt="" /> Am Anfang gings ja noch, aber jetzt versteh ich bloss noch Bahnhof. Och Menno. <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/hammeraufkopf.gif" alt="" /> Bevor ich mir jetzt noch die Haare raufe  , gehe ich lieber ins Bett. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Neuer Tag, neues Glück. *hoff*
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#79234 - 04/02/2005 23:00
Re: Genetik: Meiose
[Re: MeoM]
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Hallo Meo,
Du störst nicht. Das hier ist kein Vortrag, sondern ein Beitrag, in dem alle mitmachen können und sollen. Es ist mir viel lieber, wenn Reaktionen kommen, als wenn ich das Gefühl habe alleine einen "Vortrag" zu halten, bei dem ich alle Zuhörer eingeschläfert habe.
Danke auch zum Hinweis der intermediären Vererbung. Diese ist mir ehrlich gesagt eher selten aufgefallen, aber zum Beispiel beim dominantem Silber ist sie wichtig und darum hatte ich sie erwähnt. Mit Gestaltsvererbung kenne ich mich gar nicht aus - vielleicht kannst Du da gegen später was dazu sagen - aber danke nochmal für die Anmerkung!
Zum Crossingover - ich hatte ja geschrieben, daß man den Begriff kennen sollte um beispielsweise Stans Zimtlutino oder unsere geperlte Lutinohenne erklären zu können. Aber danke, daß Du es nochmal herausgestellt hast. Ich wollte nur hier noch nicht direkt auf die Farbschlagvererbung eingehen - weil noch Nicht-Nymphiehalter mitlesen und ich noch nicht zu weit vorgreifen möchte. Ich werde im Anschluß an die Einleitung schrittweise die Farbschläge durchsprechen. Dabei möchte ich dann aber auf die Grundlagen verweisen können, damit Begriffe wie "Crossingover" nicht einfach vom Himmel fallen.
Wenn Du bei den Farbschlägen nachher aktiv mithelfen willst, würde ich mich sehr freuen. Als Züchter mit sehr langer Erfahrung kannst Du bestimmt viele wertvolle Gedanken dazu besteuern.
Grüße, Barbara
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#79235 - 04/02/2005 23:04
Re: Genetik: Meiose
[Re: Schlumpfine]
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Huhu Babs, ich bin bloss noch verwirrt. Ich glaub ich steig da nie durch. <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/heulen.gif" alt="" /> Am Anfang gings ja noch, aber jetzt versteh ich bloss noch Bahnhof. Och Menno. <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/hammeraufkopf.gif" alt="" /> Bevor ich mir jetzt noch die Haare raufe  , gehe ich lieber ins Bett. Hallo Conny, Genetik kann jeder verstehen. Im Moment ist es auch etwas schwierig, weil alles noch recht theoretisch ist. Du brauchst Dich auch nicht unbedingt mit Meiose und Mitose auseinanderzusetzen, um in dem Thread hier weiterzukommen. Für das meiste reicht dominante und rezessive Vererbung. Also nicht aufgeben... und guck halt gegen später wieder in diese Meiose und Mitose-Beiträge rein. Mit der Anwendung wird die Theorie einfacher. Ich wollte halt alle Fachbegriffe erklärt haben, damit man weiß, wovon man redet. Grüße, Barbara
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#79237 - 04/02/2005 23:11
Re: Genetik: Meiose
[Re: Rosmary]
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Huhu ihr,
ihr seid alle so still... Heißt das, daß bis hierher alles klar ist und es keine Fragen gibt, so daß ich weitermachen kann, oder bedeutet das, daß ich euch totgeschrieben habe und keiner mehr mitliest? Also, für mich heisst das, dass ich nun irgend ein Wundermittel finden muss, welches das Verstandene denn nu auch so in mein löchriges Hirn hineinwalzt, dass es zur weiteren Verarbeitung auch drin bleibt <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/hammeraufkopf.gif" alt="" /> Etwas, was schon vor 20 Jahren meine Mathe- und Biolehrer vergeblich versucht haben... Aber "sie war stets bemüht" <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/bigsmile.gif" alt="" />Bis hierhin erst mal DANKE, Babs! <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/anstossen.gif" alt="" />
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#79238 - 05/02/2005 00:00
Re: Genetik: Meiose
[Re: Rosmary]
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Hallo Barbara, also bis zur Mitose ist so ziemlich alles klar, aber danach wird´s schwieriger. Folgende Fragen haben sich beim Lesen ergeben. Diese Chromatiden entstehen aus Chromosomen. Gut. Aber was genau sind dann Chromatiden? Was ist an ihnen anders im Vergleich zu den Chromosomen? KLingt vielleicht komisch die Frage, aber ich kann mir unter Chromatiden so gar nichts vorstellen. Die Meiose: Hier paaren sich die Chromatiden zunächst, bevor sie sich teilen. Bei der Mitose teilen sich die Chromatiden direkt, weil sie übereinander angeordnet sind. Bei der Meiose teilen sich zuerst die Chromatiden nicht, weil sie nebeneinander angeordnet sind. Versteh ich das richtig? Danach werden die zwei Zellen,die bei Zelltlg. 1 entstanden sind, entsprechend wie bei der Mitose wiederum geteilt, durch die Trennung der Chromatiden. Okay, ich glaub, jetzt hab ich es kapiert <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> Aber noch nicht ganz: D.h. in Zelle 1 kann Chromosom 1 von der Mutter sein, Chromsom 2 vom Vater, 3 und 4 von der Mutter,... - in der zweiten Zelle ist entsprechen 1 vom Vater, 2 von der Mutter, 3 und 4 vom Vater,... - so entsteht eine große genetische Vielfalt Wenn ich das richtig lese, dann wären dass ja pro Zelle 4 Chromosomen. Es sollte doch immer nur ein Chromosom je Zelle sein?? <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/confused.gif" alt="" /> Oder Bring ich jetzt irgendwas durcheinander? Vielen Dank für deine Mühe, Barbara! Ich bemüh mich auch <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Bearbeitet von Schäfchen (05/02/2005 00:03)
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Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten. Karat,"Der blaue Planet"
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