Warum kriegt man bei DNA-Tests trotzdem manchmal das falsche Ergebnis? Diese Tests sollten - wie ihr anhand des Verfahrens seht - 100% sicher sein. Sind sie auch... eigentlich. Aber - man entnimmt dem Vogel für den DNA-Test normalerweise eine Feder. Mit dem Blut aus dem Federkiel führt man den DNA-Test durch. Dafür ist es wichtig, die Feder nicht mit den Fingern zu berühren, weil man das DNA-Material des Vogels sonst mit eigenem DNA-Material verunreinigt. Viele bedenken das jedoch nicht. Und deshalb bekommt man dann - statt dem Geschlecht des Vogels - entsprechend das eigene Geschlecht gesagt. Und da viele Tierärzte Männer (XY) sind, kommt bei so manchem Hähnchen als Ergebnis eben Henne (XY) raus... <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/rolleyes.gif" alt="" />
Nachdem ihr nun gelesen habt, daß bei Vögeln die Geschlechtschromosomen unabhängig von denen der Menschen entwickelt worden sind (und Z und W heißen) hätte ich nun eigentlich erwartet, daß mir jemand widerspricht. Denn damit ist XY Mensch ja nicht mehr gleich XY Vogel.
Aber - im DNA-Test wird ja nicht nach dem X-Chromosom (bzw. dem Z-Chromosom) gesucht, sondern nach einem bestimmten Gen. Und da Mensch und Vogel ganz früh in der Evolution gemeinsame Vorfahren haben, haben sie auch einzelne gemeinsame Gene. Einige der Gene, die sich auf dem Vogel-Z finden, findet man beim Mensch auf dem Autosomenpaar 9. Und daher hat der Mensch dann all diese Gene doppelt (weil eben Autosomenpaar, Autosomen sind analog, nur Gonosomen unterscheiden sich) - so wie sie auch der Hahn mit den beiden Z doppelt hat. Folglich muß der Tierarzt, der die Feder mit seiner DNA "verunreinigt" hat, kein Mann gewesen sein, es kann genausogut eine Frau gewesen sein, denn auch sie hat das Gen dann doppelt. Und entsprechend kommt auch bei falschen Tests dann Hahn raus, nicht Henne... <img src="http://www.tiernetzwerk.de/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Das alles ändert nichts daran, daß man DNA-Proben nicht mit eigener DNA verschmutzen sollte. Aber es zeigt, daß Z und W nicht unbedingt einfach durch X und Y ersetzt werden können, auch wenn es die Bücher tun. An den Farbschlagüberlegungen der gonosomalen Vererbung ändert das aber nichts... denn W ist - ebenso wie auch Y kleiner als X ist - kleiner als Z und enthält keine Farbinfos. Das einzige was also an der Betrachtungsweise mit X und Y falsch ist, sind die Buchstaben und die Gefahr, daß ein Leser, der sich nicht auskennt, davon ausgeht, daß gleiche Buchstaben gleiche Chromosome bei Säugern und Vögeln bedeuten, was aber nicht so ist.
Grüße,
Barbara